
(Foto Fantur: In Maßen baut dieser Becher den Stress ab)
„Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr haltet Becher und Schüsseln außen sauber, innen aber sind sie voll von dem, was ihr in eurer Maßlosigkeit zusammengeraubt habt.“ (Mt 23,25)
Variable Doppelmoral
Nicht nur bei Pythagoras wird der Becher als Richtschnur für Maß und Maßlosigkeit herangezogen. Nach dem Matthäus-Evangelium verurteilt Jesus die Doppelmoral der Pharisäer und Schriftgelehrten, die zu seiner Zeit die jüdischen Religionsführer waren. Mit „Außen hui, innen pfui“, kann diese Aussage zusammengefasst werden. Die Reinheit wird nach außen für alle sichtbar mit Händewaschen demonstriert. Das Innenleben der Schale sieht aber erbärmlich aus. Nach außen nicht sichtbar ist alles, was sich im Becher oder in der Schüssel versteckt: böse Gedanken, Ausbeutung aus Gier, Raub der Mittellosen und auch Brachialgewalt, um das unrechtmäßig Erworbene zu halten und zu vermehren.
Nichts Neues unter der Sonne. Der Maßlose lässt gegenüber dem Schwächeren die Muskeln spielen, versucht seinen Armutsstand zu zementieren und dem Widerborstigen entzieht er unrechtmäßig den Boden oder er vertreibt ihn sogleich. Mit Bedauern, wenn dieser Pharisäismus auch religiöse Kreise vereinnahmt.
Kosmetische Überraschungen
„Du blinder Pharisäer! Mach den Becher zuerst innen sauber, dann ist er auch außen rein“, legt Jesus nach dem Evangelium nach. Die äußere Seite des Bechers zu reinigen, wäre nur eine oberflächliche und kosmetische Lösung. Eine innere Umkehr und Veränderung der Lebenseinstellung bewirken rundum eine langfristige existenzielle Reinwaschung. Eine kosmetische Politur kann immer wieder die alten Kratzer oder Mängel zum Vorschein bringen.

