Religion

SPIELBÄLLE DER KRIEGSTREIBER

(Foto-Collage Fantur: Symbolkraft oder Symbolschwachheit)

Die oberste Maxime der monotheistischen Religionen ist die Gewaltfreiheit und die Verabscheuung von Tötung und Mord. Das 5. Gebot im Buch Exodus im Alten Testament lautet: Du sollst nicht töten!" Es richtet sich gegen die Tötung von Unschuldigen und ist demnach eine kriminelle Handlung. Das Neue Testament geht darüber hinaus noch weiter und weist darauf hin, dass schon "Worte töten" (Mt 5,21-22). Jesu Botschaft: "Liebet eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen." (Mt 5,33)

Islamische Barmherzigkeit

Nach dem islamischen Theologen Mouhanad Korchide wird der Satz "Im Namen Gottes des Barmherzigen des Erbarmers" in 113 der 114 koranischen Suren eingeleitet. "Barmherzigkeit bedeutet die bedingungslose Zuwendung Gottes zu allen Menschen, ... Barmherzigkeit bedeutet die Bereitschaft zu Empathie, zur Vergebung, Fürsorge, Selbstlosigkeit, Opferbereitschaft, zum bedingungslosen Geben," so Korchide (Gottes falsche Anwälte, 66).

Stumme Friedensstifter

Monotheistische Religionen sind eingebettet in diversen Kriegsregionen. Warum verstummen die religiösen Vertreter Gottes auf Erden? Papst Franziskus erhebt mutig die Stimme für den Frieden. Im Ukrainekrieg und im Nahostkonflikt bleibt er ein einsamer Rufer. Warum sind die sogenannten religiösen Friedensstifter kaum hörbar? Nutzen sie nur die Schönwetterlage zum Predigen? Wo ist der prophetische Geist, der auf Gewaltlosigkeit pocht?

Nützliche Penner?

Schweigen bedeutet Zustimmung, Wegschauen heißt Auslieferung, Nichtstun wäre Verrat an Moral und Religion. Sind die monotheistischen Propheten zum Spielball der Kriegstreiber geworden? Ist ihre Meinung und sind ihre Mahnungen in ihrem Land unerwünscht? Sind sie der Kriegspropaganda und unlauteren Angeboten ausgeliefert? Ist es nicht ein Gebot der Stunde als Friedensstifter aufzutreten und nicht nur Soldaten zu segnen?

Doppelmoral

Ein Normalbürger muss sich bei Tötung oder Mord vor dem Gericht verantworten und bekommt dafür die erbarmungslose Strafe. Eine Mitverantwortung tragen genauso Mittäter, Mitwisser, ... Das Schweigen im Krieg bürdet eine noch größere Verantwortung auf, da nicht "nur" ein Mensch stirbt. Wird dieses Stillschweigen zu einem weiteren Freibrief zum Morden?

AUF-ER-STEHEN

(Foto: Fantur)

Als Kleinkind krabbelte ich am Boden,

Mein Blick war nach oben gerichtet,

die Hand streckte sich suchend nach Hilfe,

um endlich zum ersten Mal auf-zu-stehen.

Als Jugendlicher schürfte ich nach Orientierung,

ich irrte und suchte auf vielen Umwegen,

pendelte zwischen Welten und Meinungen,

um endlich zur reifen Persönlichkeit aufzustehen.

Als fehlerhafter Mensch litt ich an Schuldgefühlen

und baumelte zwischen Zweifeln und Selbstvorwürfen,

ich versteckte mich vor meinem eigenen Ich

und erhoffte eine rettende Hand, um aufzustehen.

Als junger Erwachsener sehnte ich mich nach Familie,

einem starken Rückhalt und Geborgenheit und

bewegte mich zwischen Glück und Sorgen, Mitgefühl und Freuden,

um in der Rolle als Familienvater beizeiten aufzustehen.

Als Leidtragender wurde mein Name beschmutzt,

wehrlos war ich Anschuldigungen und Beleidigungen ausgesetzt,

ich wurde von Ängsten und Befürchtungen hin- und hergerissen,

um sich durch kräftige Hoffnungsschübe aufzurichten.

Ich kehre zu Staub und Asche zurück,

Spuren meines Daseins werden zu Silhouetten,

Erinnerungen an mich verblassen,

um wie aus einer Raupe entschlüpft, auf-zu-erstehen.

Peter Fantur

GIPFELERLEBNISSE

   (Foto Fantur:  Drei Zinnen, Tre Cime di Lavaredo, Italia)

AUF-STEIGER

Ein erhabenes Gefühl, diese Berggipfel der Dolomiten in Südtirol, mit dem Weitblick auf verschiedene Gebirgsstöcke und auf die Tallandschaften zu Füßen. Die geologischen Formationen vermitteln die vielfältige Schönheit der Natur. Befreiend ist der Blick nach oben. Der blau-graue Himmel zieht mich an. Ich spüre in mir ein Stück der Ewigkeit. Diese Weite ist für mich fast beklemmend, verbunden mit der Angst sich zu verlieren, und zugleich befreiend, alles Belastende zurücklassen zu dürfen. Am Himmel ziehen dicke Wolken weiter und beleben die Monotonie. Zugleich wirken sie einladend und durchbrechen die himmlische „Einsamkeit“.

Die schweren Beine erinnern mich an den Gipfelsieg. Der mehrstündige Aufstieg war beschwerlich. Auf dem Schotterweg war der achtsame Auftritt sehr wichtig, um nicht auszurutschen. Kleine und größere Steine begleiteten mich beim Aufstieg auf den Gipfel und bargen die Gefahr, seitlich umzukippen und sich zu verletzen. Nach jeder abgeschlossenen Kurve gewann ich den Eindruck, das Ziel erreicht zu haben. Mitnichten! Es ging munter, aber nicht mehr so frisch weiter. Was für ein Kontrast: der beschwerliche Weg und zur Belohnung der Weitblick da oben.

TÄGLICHER GIPFELSTÜRMER

Sind nicht auch mein Leben und mein Alltag ein mehr oder weniger erfolgreicher Gipfelsturm? Der Tag begleitet mich mit dem Aufstehen und Steigen in der Früh, bei der Arbeit, bei Rückschlägen und Niederlagen sowie im Streben nach dem Ziel. Kleine und größere Stolpersteine erwarten mich immer wieder, sie werden von mir teilweise auch selbst gelegt. Nicht selten werden sie mir auch vor die Füße geworfen. Ein tiefer Ausrutscher und Fall über einen nicht bemerkten Lebensbrocken, die erlittenen Wunden, das Aufrichten, die Heilung und das Weiter-Gehen-Wollen machen mich stark. Es richtet mich – dem täglichen Gipfelstürmer – mit einer ungebändigten Antriebsfeder wieder auf. Geradlinig ist mein Leben niemals, ich probiere die Linie zu halten. Die Kurven sorgen für kleinere und größere Umwege, Sackgassen zwingen mich zur Umkehr, Einbahnstraßen geben mir die Hoffnung, meinen Pfad wieder zu finden … und immer, immer wieder dem Gipfelziel entgegen zu streben.

Si