GIPFELERLEBNISSE

(Foto Fantur: Drei Zinnen, Tre Cime di Lavaredo, Italia)
Ein erhabenes Gefühl, diese Berggipfel der Dolomiten in Südtirol, mit dem Weitblick auf verschiedene Gebirgsstöcke und auf die Tallandschaften zu Füßen. Die geologischen Formationen vermitteln die vielfältige Schönheit der Natur. Befreiend ist der Blick nach oben. Der blau-graue Himmel zieht mich an. Ich spüre in mir ein Stück der Ewigkeit. Diese Weite ist für mich fast beklemmend, verbunden mit der Angst sich zu verlieren, und zugleich befreiend, alles Belastende zurücklassen zu dürfen. Am Himmel ziehen dicke Wolken weiter und beleben die Monotonie. Zugleich wirken sie einladend und durchbrechen die himmlische „Einsamkeit“.
AUF-STEIGER
Die schweren Beine erinnern mich an den Gipfelsieg. Der mehrstündige Aufstieg war beschwerlich. Auf dem Schotterweg war der achtsame Auftritt sehr wichtig, um nicht auszurutschen. Kleine und größere Steine begleiteten mich beim Aufstieg auf den Gipfel und bargen die Gefahr, seitlich umzukippen und sich zu verletzen. Nach jeder abgeschlossenen Kurve gewann ich den Eindruck, das Ziel erreicht zu haben. Mitnichten! Es ging munter, aber nicht mehr so frisch weiter. Was für ein Kontrast: der beschwerliche Weg und zur Belohnung der Weitblick da oben.
TÄGLICHER GIPFELSTÜRMER
Sind nicht auch mein Leben und mein Alltag ein mehr oder weniger erfolgreicher Gipfelsturm? Der Tag begleitet mich mit dem Aufstehen und Steigen in der Früh, bei der Arbeit, bei Rückschlägen und Niederlagen sowie im Streben nach dem Ziel. Kleine und größere Stolpersteine erwarten mich immer wieder, sie werden von mir teilweise auch selbst gelegt. Nicht selten werden sie mir auch vor die Füße geworfen. Ein tiefer Ausrutscher und Fall über einen nicht bemerkten Lebensbrocken, die erlittenen Wunden, das Aufrichten, die Heilung und das Weiter-Gehen-Wollen machen mich stark. Es richtet mich – dem täglichen Gipfelstürmer – mit einer ungebändigten Antriebsfeder wieder auf. Geradlinig ist mein Leben niemals, ich probiere die Linie zu halten. Die Kurven sorgen für kleinere und größere Umwege, Sackgassen zwingen mich zur Umkehr, Einbahnstraßen geben mir die Hoffnung, meinen Pfad wieder zu finden … und immer, immer wieder dem Gipfelziel entgegen zu streben.
Si
