
(Foto Fantur: Pythagoräische Gerechtigkeitsschale)
Auf der Insel Samos ging der Bau der Wasserleitung nur schleppend bis gar nicht voran. Die Arbeiter gaben sich lieber dem Genuss des Weintrinkens hin. Pythagoras (580-500 v. Chr.) erfand dann einen Becher der Gerechtigkeit. Einen halber Becher Wein durfte der Arbeiter genießen. Wer aber maßlos und gierig den ganzen Becher mit Wein auffüllte, da lief der ganze Wein aus und der Arbeiter hatte nichts zu trinken.
Wie funktioniert das: im Mittelteil des Bechers befindet sich eine Säule mit offener Kammer, darunter ein Schaft und an dessen Ende ein Loch nach unten. Übersteigt der Wein die Mittelsäule, rinnt der Wein anstatt in die Kehle auf die Hose oder anderswohin.
Befreiendes Maßhalten
gehört neben der Weisheit auch zu den vier stoischen Tugenden. Maßhalten hat viele Gesichter. Man schafft Struktur und Ordnung in seinem Leben. Dies vermittelt Sicherheit und Beständigkeit, Harmonie und Vertrauen. Dazu passen folgende Schlagwörter: Treue stärkt Beziehung, Willkommenskultur für alle Kinder, im Einklang mit der Natur, Vorbilder statt Vorurteile, Menschenwürde für alle, humane Arbeitsbedingungen, religiöse Heimat, …
Nicht getrieben vom Haben und Wollen begnügt man sich mit dem Notwendigsten und lässt die Zügel der Selbstkontrolle nicht aus der Hand. Wenn geistige oder geistliche Werte tonangebend sind, dann werden die materiellen Dinge leichter ein Mittel zum Zweck.
Verkrampfte Maßlosigkeit
Die Maßlosigkeit geht vom Prinzip aus: Seliger ist nehmen alles geben. Das Horten (nicht nur) materieller Dinge nimmt überhand und das Teilen muss einen Nutzen einbringen. Die Paragrafen werden zum eigenen Gunsten zurechtgebogen. Von außen betrachtet könnte man meinen, dass sich diese Person verkrampft an sein Hab und Gut klammert und am liebsten alles im eigenen Grab verstauen und archivieren möchte. Die maßlose Person kann in ein extremes Misstrauen und damit in eine Einsamkeit schlittern.

