KREUZWEG – I. STATION

(Foto Fantur: Wisch und weg im Ckub der Pilatusse)
Sie schreien
kreuzige ihn, kreuzige ihn
und Pilatus wäscht
Seine Hände in Unschuld.

(Foto Fantur: Wisch und weg im Ckub der Pilatusse)
Sie schreien
kreuzige ihn, kreuzige ihn
und Pilatus wäscht
Seine Hände in Unschuld.

(Foto Fantur: Fresko „Der Sämann und der Teufel“ von Albin Egger-Lienz, Gedächtniskapelle in Lienz)
An der Westwand der Lienzer Gedächtniskapelle sind der Sämann und im Hintergrund in Lauerstellung der Teufel dargestellt. Es ist das zweite Fresko des Malers Albin Egger-Lienz (1868-1926) in der Kapelle. Die Kriegergedächtniskapelle wurde 1924/25 vom Architekten Clemens Holzmeister geplant.

(Foto Fantur: Blick von Stephanus gegen den Himmel – Hochaltar Dom zu Passau, Bayern)

(Foto Fantur: Steinigung des hl. Stephanus, Hochaltar des Stephansdoms in Wien)

(Foto Fantur: Stephanus mit Steinen in der Hand – Seitenaltar Gurker Dom, Kärnten)
„So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!“ (Apg. 7,59) Stephanus war der erste Märtyrer (Protomärtyrer) der Christenheit. In Erinnerung an seine Todesart wird er in den Kirchen mit Steinen und einer Märtyrerpalme dargestellt. An der Hinrichtung war auch Saulus beteiligt. Aus dem Christenverfolger Saulus wurde nach einer Bekehrung auf dem Weg nach Damaskus der christliche Missionar Paulus.

(Foto Fantur: In Maßen baut dieser Becher den Stress ab)

(Foto Fantur: Strategiespiel Mühle: den Gegner blockieren und eliminieren)
Im Neuen Testament ist die „Weisheit“ kein zentrales Thema. Die Heilige Schrift geht davon aus, dass die Weisheit von Gott kommt und erst dadurch ein kontrolliertes und selbstgenügsames Leben ermöglicht wird.

(Foto Fantur: Giotto, Kreuzigung)
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ (Mt 27,46), rief Jesus laut am Kreuz und um die 9. Stunde (15:00 Uhr) hauchte er den Geist aus. Die Aufschrift des Kreuzes beinhaltete seinen Schuldspruch: „Das ist Jesus, der König der Juden“ (Mt 27,37, INRI). Einige Personen begleiteten ihn bis zum letzten Atemzug, aber man stirbt allein.

(Foto Fantur: „Berg der Seligpreisungen am Nordufer des Sees Genezareth, Israel)
Auf einem Hügel am Nordufer des Sees Genezareth stellt Jesus in der sogenannten Bergpredigt (Mt 5 1-11), den Seligpreisungen, sein Missionsprogramm vor. Die ersten zwei ausgewählten Seligpreisungen (Makarismen) lauten:
Wer sind jene, die verarmt sind? Sind es nicht jene, die im alltäglichen Lebenskampf den Blick für das Geistige und Geistliche aus dem Blickwinkel des Lebens nicht verloren haben? Sie wehren sich gegen die Erstickungsgefahr durch die alltägliche Sorgen und Plagen. Sie bieten dem Wunsch nach unbegrenztem Konsumverhalten die Stirn und versumpfen nicht in der Gier nach noch mehr im Meer der Unersättlichkeit. Ihr Neid und ihre Gier verhärten nicht das Herz (Gewissen). Ihre Bescheidenheit macht sie freier und offener für geistliche Dimensionen, sie sind reich an emotionaler Ausgeglichenheit und motiviertem, sozialen Handeln sowie bereichert von sinnstiftenden Momenten.
Die Trauer macht einsam, man fühlt sich machtlos und ausgeliefert. Sie ist oft die zweite Seite der Lebensmedaille, die den roten Faden und die Glückssträhne bekleckern kann. Rückschläge, die sich in Form von Krankheit, Verlust, Tod und so weiter ausdrücken, werfen den Trauernden aus den Bahnen, machen ihn mutlos und geben ihn kaum mehr Hoffnung. Selig sind jene, die im Tiefgang der Trauer nicht allein gelassen werden, Zuflucht finden und sich am Anker der Hoffnung klammern können. Trost können die Nahestehenden durch ihre Anwesenheit, das Zuhören und durch aufmunternde Worte geben. Die Überzeugung, von Gott nicht im Stich gelassen zu werden, lindert trotz aller Widrigkeiten die Trauerlage.

(Foto Fantur: Seligpreisungen in der Kirche am Steinhof in Wien, Jugendstil-Bauwerk von Otto Wagner)

(Foto Fantur: Kletterer in der Berglandschaft von Gosau, Salzburg)
Im Neuen Testament drückt sich das Glück im Eigenschaftswort „selig“ aus (siehe Bergpredigt Mt 5). Jesus verleiht diesem wertvollen Gut eine tiefere Dimension. Dabei soll das Glück für alle, auch für die Entrechteten und Außenseiter gelten.
Passt das noch in die heutige Zeit? Widersprechen Jesu Seligpreisungen dem Massengeschmack des Zeitgeistes? Eine Gegenüberstellung von Jesus Seligpreisungen und irdischen Glücksbringern. Aber nicht alle schwimmen mit der Hauptströmung!
„Selig sind, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.“ (Mt 5,2). „Selig die ErfolgReichen und MachtGeilen, denn Ihnen gehört das Erdenreich.“ (Mainstreaming)
„Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.“ (Mt 5,4). „Selig jene, die mit Lust, Spaß und Unterhaltung dem Leid immer ein Schnippchen schlagen.“ (Mainstreaming)
„Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.“ (Mt 5,5) „Selig jene, die am längeren Ast sitzend, den Schwächeren die Lebensgrundlage samt Land wegnehmen.“ (Mainstreaming)
„Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.“ (Mt 5,6) „Selig, die Kontrollfreaks über die Meinungsfreiheit und den Kapitalmarkt; denn sie werden bewundert, nachgeäfft und gewählt werden.“ (Mainstreaming)
„Selig, die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.“ (Mt 5,7) „Selig jene, die populistischer Manier niemals vergessen können und immer auf Rache aus sind.“ (Mainstreaming)
„Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.“ (Mt 5,8) „Selig ist jener, der geschickt seine Schandtaten verstecken kann und sein Herz scheint vor den anderen weiß wie Schnee.“ (Mainstreaming)
„Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.“ (Mt 5,9) „Selig die Wölfe im Schafspelz, die Unwahrheiten und Vorurteile verbreiten, um Gewalt zu rechtfertigen und selbst Lobeshymnen zu ernten.“ (Mainstreaming)
„Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.“ (Mt 5,10) „Selig sind jene, die sich wie Chamäleons anpassen und mit der Masse schwimmen; so dass sie niemals Nachteile erfahren.“ (Mainstreaming)

(Foto Fantur: Seligpreisungen in der Kirche am Steinhof in Wien, Jugendstil-Bauwerk von Otto Wagner)

(Foto Fantur: Regenbogen über Mittewald bei Villach)
Die Bibel setzt sich auch mit der gleichgeschlechtlichen Liebe auseinander. Im Römerbrief (1, 26f.) steht geschrieben: „Darum hat sie Gott dahingegeben in schändliche Leidenschaften; denn bei ihnen haben Frauen den natürlichen Verkehr vertauscht, mit dem widernatürlichen; desgleichen haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sich in Begierde zueinander entbrannt.“ Gemäß den kulturellen Normen der damaligen Zeit entspricht die heterosexuelle geschlechtliche Liebe als natürlicher Verkehr. „Für die heutige Bewertung von gleichgeschlechtlicher Sexualität kann der Text nicht pauschal herangezogen werden, weil er nur nach Praktiken, nicht aber nach homosexueller Identität fragt. (Stuttgarter Erklärungsbibel, Seite 181f.)
Die sexuelle Identität ist etwas Persönliches. Es ist eine individuelle Wahrnehmung von sich selbst und des eigenen Geschlechts und hat nichts mit der sexuellen Beziehung zum anderen zu tun. Die ur- persönliche sexuelle Identität ist schützenswert. Die Verletzung dieser Integrität ist menschenverachtend und verletzt die Menschenwürde. Jeder darf so sein und sich fühlen, wie es seiner Natur entspricht. Man kann weder die sexuelle Identität noch die Hautfarbe austauschen. Headlines in den Vatican News: „Papst über Homosexuelle: Kirche offen für ‚alle, alle, alle‘.“ (Vatican News vom 28. August 2023)
Gnadenlos sind die queeren Menschen der Ausgrenzung, Verfolgung und Kriminalisierung ausgesetzt. In einigen Ländern droht ihnen sogar die Todesstrafe. Den Taten gehen immer Worte voraus, wenn von den Populisten und Volksverführern Hetzkampagnen entfacht und ihre sexuelle Identität/Existenz infrage gestellt werden.
Zu den Gegnern der queeren Menschen zählen Personen mit fundamentalistischer Einstellung, die sich generell sehr schwer mit Andersartigkeit tun oder solche, die ausgewählte Passagen aus der Heiligen Schrift unreflektiert und wortwörtlich interpretieren. Einige Volksverführer sollten ihre eigene heterosexuelle Identitätskarte anschauen. Ist das nicht genau so quer, wenn sich ausgewählte Volksverführer Liebe mit fremden Frauen erkaufen, wenn sie Parallelbeziehungen führen, wenn uneheliche Kinder auf der Strecke bleiben und Affären oft mit aller Gewalt geheimgehalten werden, … ?

(Bild erstellt mit ChatGPT, KI, Mädchen mit Tränen in den Augen)

(Foto erstellt mit ChatGPT, KI, … wenn die schwarze Katze kommt)
Eine Wahrsagerin warnte ihren Klienten oftmals vor einem bestimmten Baum. Auf einer Heimfahrt wurde ihm dieser Baum zum Verhängnis. Eine schwarze Katze kreuzt von links die Straße. Ein abergläubischer Mensch gerät in Panik und setzt mit seinem PKW eine folgenschwere Handlung. Ein Schüler schreibt am Freitag, dem 13., keine Schularbeit und bleibt gleich zu Hause.
Von Angst gebeutelt und machtlos ausgeliefert kommt es bei abergläubischen Personen zu psychosomatischen Automatismen. Die übersteigerte Angst führt dazu, dass die Psyche die Worte z. B. der Wahrsagerin „inhaliert“. Es kommt zu einer Wechselwirkung mit dem Körper. Auf der Heimfahrt reagiert der Körper. Von der Worten der Wahrsagerin vereinnahmt, wurde der Baum dem Autofahrer infolgedessen „auto-matisch“ zum Verhängnis. Der zutiefst abergläubische Mensch, reagiert vor lauter Angst wie ferngesteuert.
Die Religion weist einen anderen Weg. „Glaube kann Berge versetzen“ (vgl. Mt. 17,20) kann man im Matthäus-Evangelium lesen. Diese Aussage zeigt einen andern psychosomatischen Automatismus auf. Vom Glauben an Gott bestärkt, sammelt der Christ die nötige Kraft, Hoffnung und Resilienz. Von dieser Energie motiviert, versucht der religiöse Mensch – vielleicht auch angstfreier – Handlungen zu setzen, mit Schicksalsschlägen umzugehen und die Zukunft zu meistern.

(Foto: eingeschränkte Sicht)
„Auge um Auge, Zahn um Zahn, …“ (Exodus 21,24) lautet im Alten Testament das Talionsrecht. Talion (lat.) steht für „Vergeltung“. Es geht dabei in erster Linie um entsprechende Wiedergutmachung. Es bleibt meistens nicht bei der Vergeltung, die Lust auf Rache bleibt immanent. Die Vergeltungsspirale und der Rachefeldzug können aber auch schnell überhandnehmen und immer weitere Kreise ziehen. Der Nahostkrieg legt hierfür ein beredtes Zeugnis ab. Demnach kann der biblische Text so erweitert werden: „Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß“ … Drohung um Drohung, Steinwurf um Steinwurf, Drohne um Drohne, Rakete um Rakete!
Jesus, der gebürtige Jude, predigte Gewaltfreiheit: „Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.“ (Mt. 5,39b) Das Hinhalten der linken Backe signalisierte dem Angreifer, dass der Streit ein Ende gefunden hat. Einen Schlag mehr einstecken kann zu einem vorläufigen Streit-Ende führen. Zugleich kann auch der gewalttätige Angreifer brüskiert werden. Jeder Gegenschlag würde nur die Kettenreaktion der Gewalt bis zur Eskalation hervorrufen.
Jesu hohes Ideal ist nicht einfach zu erreichen. Darüber stolpern auch Christen. Dafür müssen Mittel gefunden werden, dem Frieden näher zu kommen. Der Weg dorthin ist steinig. Voraussetzung sind ehrliche und nicht ideologisch verfremdete Gespräche sowie Kompromisse mit der Bereitschaft, Abstriche zu machen. Zum Streiten gehören zwei, genauso auch zum Schließen des Frieden. Und der Angreifer verzichtet dabei auf den linken Wangenschlag.