Lyrik – Meditation

KREUZWEG – XIV. STATION

     (Foto Fantur: Grablegung Jesu, Fresko im Eingangsbereich der Grabeskirche in Jerusalem)

 

Der Tod hinterlässt eine langen Schatten. Die einen scheren aus, andere suchen nach Auswegen und leben von Erinnerungen, wieder andere halten Ausschau nach existenziellen Lichtimpulsen und Hoffen auf ein Kerzenlicht, das niemals erlischt.

 

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LICHTBLICKE IM ADVENT_9

 (Foto Fantur: Vier Kerzen mit Strahlkraft)

 

 

Die erste Kerze 
erleuchtet das Heim,
spendet Lächeln der Familie,
gibt Geborgenheit und Rückhalt,
Erlisch, lieber Docht nicht
und wirf keinen Schatten!
 
Die zweite Kerze
belichtet Brücken,
entzündet Lichterketten der Begegnung,
sucht das Verbindende.
Lieber Docht, lass dich niemals
von Neid und Hass ausblasen!
 
Die dritte Kerze
erstrahlt am Horizont,
entflammt die Solidarität und Friedfertigkeit
bei allen Gutmenschen.
Liebes Flämmchen, lass keine Raketen regnen
und vermeide eine globale Verdunkelung!
 
Die vierte Kerze
bringt trotz Aufbruch, Flucht und Bedrängnis
und Hoffnung auf Ankunft,
die Asylkrippe zum Aufleuchten.
Liebe Flamme, erlisch nicht und
wandle dich in einen wegweisenden Stern!
 
Peter Fantur

RING UM RING

(Foto Fantur: Baumringe – Lebensringe)

 

Ringe winden sich
um den Kern
Jahr um Jahr
umkreisen sie Ringe
hinterlassen Spuren
trotzen dem Gegenwind
überwallen Faulstellen
stellen einen strammen Stamm 
schöpfen Energie aus dem Vorrat
teilen die Luft zum Atmen.
 
Ring um Ring
Wandern auf verstrichenen Formspuren
Saugen vom Lebenssaft der Wurzeln
Umringen des Befalls
Erschließen und Heimkehr zum Abbild.

Peter Fantur

PARADIESISCHE AUSSICHTEN

      (Foto Fantur: am Meeresstrand von Caorle, Italien)

 

 (Foto Fantur: am Strand von Bašanija in Kroatien)

 

 

Wasserteilchen setzen sich in Bewegung,                                      

Wellen rücken immer näher                                                       

überschwemmen stachelige Gedanken                                                  

und verbreiten innere Ruhe.

 

 

Das Rauschen des Meereswassers,                                                        

wie ein Sinfonieorchester                                                                    

übertönt im fast harmonischen Einklang                                                 

die Misstöne der schaurigen Eilmeldungen.

 

 

Bewegungslose und versteinerte Felsbrocken                                        

wehren den starken Wellengang ab,                                                        

halten Ablagerungen fern und                                                                

führen zu Verwitterung vom alltäglichen Groll und Joch.

 

 

Ein Wasserstrahl plumpst auf die Steinplatte,                                        

erfrischt den aufgeheizten Körper                                                          

und belebt den Geist                                                                                

vor der sengenden Sonne.

 

 

Ein unendlicher Blick in die Weite,                                                        

ein Blitzgewitter der tänzelnden Strahlen im Wasser,                        

die Weite des Meeres wirkt grenzenlos und                                            

wie ein Ruhepol im Paradies. 

 

 

Peter Fantur             

SPUREN – LESEN

(Foto, erstellt von ChatGPT: versandete Spuren)

 

(Foto Fantur: suchende Spuren im Schnee)

 

Abdrücke der kleinen Schritte 

zappeln leichtfüßig den Großen nach.  

Kniefall und Aufbäumen begleiten sie, 

auf den Spuren des Fort-Tritts.

 

Es sind Laufschritte,

gehetzt vom Tempo der Zeit.

Stolpersteine und Mauern behindern sie,

auf den Spuren des Fortschritts.

 

Unvermeidbare Fehltritte,

zermürbt durch Entgleisungen. 

Sie vereiteln eine Neuausrichtung

auf den Spuren des Rückschritts.

 

Unregelmäßige Schrittbewegungen,

getragen von Stock und stützendem Arm.

Das Schritthalten wird stark behindert,

auf den Spuren der Hilflosigkeit.

 

Suchende Schritte,

geleiten und entfachen das Feuer,

auf der Suche nach Höherem

und auf den Spuren der Erkenntnis.

 

Gemächlich kleine Schritte,

zeugen von Müdigkeit und Erschöpfung.

Sie tragen Erfahrung und Weisheit

auf den Spuren zum letzten Auftritt.

 

Übernatürliche Spuren,

ermöglichen die Komposition der Natur,

beleben die unruhigen Herzen der Lebenden,

Schritt für Schritt der himmlischen Vollendung entgegen. 

 

Peter Fantur

DIE WELT IM BEICHTSTUHL

(Foto Fantur: die Welt beichtet:  …)

 

Mein Herz ist stark belastet und möchte, dir o Herr, all meine Sünden bekennen.

Es tut mir leid, dass das Sündenbewusstsein in der Welt stark abnimmt.

Der Mensch macht sich zum alleinigen Maß aller Dinge und schubladisiert dich, sein Gewissen stumpft ab und er legt seine Bedürfnisse auf den Altar seines Egos. 

Ich fühle mich schuldig, dass ich deine Schöpfung vor der Gier der Bewohner nicht beschützen konnte.

Ich konnte nicht verhindern, dass Menschen von Neid zerfressen, Hass schüren und ein friedliches Miteinander beeinträchtigen.

Mir tut es leid, dass trotz des weltweit geflochtenen Netzwerkes, Rassismus und Ausbeutung nicht bekämpft wurden.

Ich habe zugelassen, dass in deinem Namen Gewalt ausgeübt wird und dadurch viele Menschen den Glauben an dich verloren haben.

Ich konnte nicht verhindern, dass Weltverbesserer, Friedensstifter und Gutmenschen mundtot gemacht werden. Unterstützung bekommen hingegen skrupellos Gierige, Machtgeile und aufhetzende Kriegstreiber.

Du bist der einzige Schöpfergott und trotzdem gibt es Personen, die glauben, sie sind päpstlicher als der Papst, prophetischer als der Prophet, priesterlicher als der Priester, nur um dich selbstherrlich zurechtzulegen.

Ich bedaure, dass der Mief der Abgase und des Abfalls bis in den Himmel stinkt.

Ich bereue zutiefst, dass ich Böses getan und Gutes unterlassen habe. Du hast mich als dein Abbild geschaffen ich werde Buße tun und mich bemühen, die Brandflecken der verbrannten Erde zu beseitigen, die von Blut getränkte Schlachtfelder trockenzulegen, die Spirale der Gewalt zu unterbinden und die Spitze des Egoismus umzudrehen.