(Foto Fantur: Nikolo und zwei Engeln beim Hausbesuch der „Braven“

 

Es ist ein Tag, an dem das Gesicht der Kinder zum Strahlen gebracht und die Familien zusammengeführt werden. Oft sind auch Partner auf Besuch, die getrennt vom Kind leben. Sie sitzen um den Tisch herum, die Kerzen am Adventkranz werden angezündet und vor allem die Kinder greifen gerne in die Dose mit Lebkuchen, Vanillekipferln und Kokosbusserln. Es ist der Tag, an dem der Nikolo die Kinder besucht.

 

Auf den Spuren des Nikolo

 
„Du bist der Nikolo,“ wird er beim Eintritt in die Wohnung von den Kindern sofort wiedererkannt. Die Kleinsten könnten schon vor Schreck auch eine Träne vergießen. Ungewohnt sei der Anblick des Nikolaus mit dem weißen Rauschebart, der Bischofsmütze und dem Bischofsstab. Der hl. Nikolaus war im 4. Jahrhundert Bischof von Myra (heute Türkei) und er zeigte seine besondere Liebe zu den Schwächsten, besonders Kindern. Sein geerbtes Vermögen gab er für soziale Zwecke aus. Drei Mädchen übergab er anonym eine Mitgift in Form von drei Goldklumpen. So wird der Nikolo mit drei goldenen Äpfeln oder Kugeln dargestellt. Auf ihn geht auch die Rückführung eines entführten Kindes zurück (Er ist auch der Patron Russlands!). Seit Jahrhunderten besucht der heilige Nikolo wie ein Himmelsbote die „braven“ Kinder.
 

Nikolos Spuren in den Familien

 
In den Familien erlebte ich als verkleideter Nikolo eine heimelige Atmosphäre. Kinder erzählten die bekannten Legenden aus dem Leben des Nikolo, immer wieder sagten sie zu seinen Ehren Gedichte auf, beteten gemeinsam das „Vaterunser“ und oft wurde auch kräftig gesungen. Unvergesslich war, als ein Vater zur Gitarre griff, Lieder anstimmte und die ganze Familie kräftig gesungen hatte. Der Nikolobesuch erstreckte sich dann über eine halbe Stunde.
 
Die Kinder versprachen dabei eindringlich brav zu sein, mit dem Geschwisterchen nicht zu streiten, die Spielzeuge aufzuräumen, in der Schule brav zu lernen, … Ein Kleinkind brachte mir einen Papiersack von lauter Schnullern, die ich mitnehmen solle, da sie nicht mehr benötigt werden. Tatsächlich, so erzählte mir die Mutter Wochen später, fragte das Kind nicht mehr danach. Zuallerletzt überreichten die beiden Engeln eine Bescherung für die Kleinen sowie ab und zu auch für die Großen. Es waren Süßigkeiten oder andere Überraschungen, die von Eltern, Großeltern, Tanten und Onkeln vorbereitet wurden.
PS: Gedenktag des Nikolaus von Myra ist der 6. Dezember und er wird u. a. mit drei Goldkugeln oder drei Steinen dargestellt. Traditionsgemäß sucht er am Vorabend die „braven“ Kinder auf.
(Foto Fantur: hl. Nikolaus mit drei Goldkugeln und im Bischofsgewand im Gurker Dom, Kärnten)

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