
(Foto Fantur: Giotto, Judasverrat durch einen Kuss)
Der Begrüßungskuss wir zum Zeichen des Verrates, der Auslieferung. Judas küsst Jesus zur Begrüßung und das wird zum Erkennungszeichen für die Soldaten, die ihn abführen.
Ein Kuss drückt eine enge Vertrautheit zwischen zwei Personen aus. Diese Verbundenheit vermittelt auch Geborgenheit und Respekt. Die Verkehrung der echten Bedeutung des Kusses ins Gegenteil, setzt seitens von Judas eine emotionale Kälte oder eine Berechnung voraus.
Judas bekommt für den Verrat 30 Silberlinge, die er reumütig seinen Auftraggebern, den Hohepriestern und Ältesten, wieder zurückgibt. Mit diesem Betrag könnte er sich damals höchstens ein Haustier erwerben und sich keinesfalls in die Ferne absetzen. Drückt der Verrat nur aus, dass Jesu Kreuzweg Teil des Heilsplanes ist?
Ratlosigkeit bei der Verhaftung
Der Judaskuss bei Giotto ist eingebettet in ein dramatisches Szenario. Alles scheint im Aufruhr zu sein. Auf der einen Seite wirken die bewaffneten Soldaten spannungsgeladen. Einer bläst zum Marsch auf die Verhaftung ein. Auf der anderen Seite sind Jesu Anhänger außer Fassung. Petrus reagiert wütend und schlägt einem Soldaten das Ohr ab.
Im Zentrum steht aber die Szene des Judaskusses. Die Soldatenhelme im Hintergrund heben die zentrale Position des Verräter-Kusses noch mehr hervor. Dabei sieht Judas Jesus unverfroren und kaltblütig direkt in die Augen, so als hätte er in diesem Moment kein Mitgefühl und keine Skrupel. Dabei umarmt er Jesus noch. In einer anderen Szene vom Jüngsten Gericht stellt Giotto Judas erhängt in der Hölle dar.
Giotto:
In diesem Bild kommt das Menschliche mit all seinen Emotionen stark zum Ausdruck. Die Szene mit allen Handlungen ist wie eine Sequenz eines Filmabschnittes. Der Bilderrahmen ist malerisch-inhaltlich kompakt und die Darstellung dreidimensional.
