
(Foto Fantur: Giotto, Das letzte Abendmahl)
Anlässlich des höchsten jüdischen Festes, dem Pascha, drückt Jesu Tischgemeinschaft mit seinen zwölf Jüngern die enge Verbindung und Freundschaft der Anwesenden aus. Zum Pascha gedenken die Juden nämlich des Auszuges aus dem Sklavenhaus Ägyptens. Jesu Festmahl mit seinen Jüngern ist aber überschattet von düsteren Voraussagen.
Dabei erwähnt Jesus, dass einer, ohne seinen Namen zu nennen, aus der Gemeinschaft ausziehen wird, um ihn zu verraten. Das musste für die zwölf Apostel eine enorme Gewissensbelastung gewesen sein. Das Brot und der Kelch weisen beim Fest auf seinen Tod und die Erlösung sowie seine Auferstehung hin. Es ist ein Festmahl im Angesicht der bevorstehenden Erlösung durch das Kreuz. Infolgedessen werden die Zwölf, die wie Pech und Schwefel zusammenhalten, durch Auflösung in eine Krise geraten, und ihr Oberhaupt Petrus wird sogar noch seinen Rabbi/Lehrer verleugnen.
Fassungslosigkeit beim Mahl
Giotto stellt in der Scrovegni Kapelle in Padua ein belebtes Abendmahlsfest dar. Nach Jesu Offenbarung, dass ihn einer verraten wird, blicken sich die Apostel verdutzt und fragend an. Petrus, der links neben Jesus sitzt, zeigt eine erstarrte Mine und sein Lieblingsjünger Johannes lehnt sein Haupt auf des Meisters Brust. Judas im gelben Gewand sitzt neben Petrus und streckt sich nach dem Brot, das Jesus in den Teller getaucht hat. Wegen der chemischen Reaktionen ist im Bild nur der Heiligenschein von Jesus vergoldet geblieben. Der Heiligenschein von Judas scheint strahlenlos zu sein. Die überdachten schlanken Säulen des Hauses erinnern an den „Himmel“ (Baldachin), der bei Prozessionen getragen wird.
GIOTTOS KUNSTWERK:
In seinen Bildern sind die Personen lebendig und nicht starr, sie drücken Gefühle und Emotionen aus, eine konkrete Handlung nimmt das Kunstwerk ein. Jede Person, jedes Individuum, spielt eine besondere Rolle und fügt sich in das Ensemble der Gemeinschaft ein. Ist Giottos Werk der Spätgotik schon ein Fingerzeig auf die Renaissance, in dem das Individuum ins Zentrum des Kunstwerkes rückt?
