(Foto Fantur: Fresko „Der Sämann und der Teufel“ von Albin Egger-Lienz, Gedächtniskapelle in Lienz)

 

An der Westwand der Lienzer Gedächtniskapelle sind der Sämann und im Hintergrund in Lauerstellung der Teufel dargestellt. Es ist das zweite Fresko des Malers Albin Egger-Lienz (1868-1926) in der Kapelle. Die Kriegergedächtniskapelle wurde 1924/25 vom Architekten Clemens Holzmeister geplant.

 

 

Des Teufels Schatten

Es sind zwei Personen, die ein Saatgut säen. Auf der einen Seite (vorne) erarbeitet sich der Bauer die Ernte im Schweiße seines Angesichts und hofft auf gute Erträge. Seine Arbeit achtet auf die Natur, ihre Gegebenheiten und meidet ihr Schaden zuzufügen. Im Hintergrund folgt ihm auf Schritt und Tritt der Teufel und ist auf der Spur das Gute des Sämanns zu zerstören. Sein Saatgut ist Missgunst, Neid, Zwist und Hass, mit der Absicht, zu plündern und sich des fremden Gutes unrechtmäßig zu bemächtigen. Es sind dies die Kriegsführer, die in erster Linie auf Raubgut aus sind und den Raubzug mit Verleumdungen und haarsträubenden Verschwörungstheorien untermauern.

 

 

Des Sämanns Müh und Plag

Das Fresko von Albin Egger-Lienz ist eine Anspielung an das biblische Gleichnis vom Sämann (vgl. Mk 4,1-9). Das ist das einzige biblische Gleichnis, das Jesus selbst gedeutet hat (vgl. Mk 4,13-20). Auch der Sämann in Jesu Gleichnisrede stößt bei seiner Arbeit auf Widerstand. Des Sämanns Körner fallen auf den Weg und die Vögel fressen sie. Jesus setzt die Vögel mit Satan gleich, die gierig auf das Saatgut sind. Sie möchten das Gute gleich nicht aufkommen lassen. Fällt das Saatgut auf felsigen Boden, nehmen die Menschen das Wort Gottes freudig auf. Da der Glaube ohne Wurzeln und unbeständig ist, wird er bei Gegenwind sofort verweht. Sät der Sämann in die Dornen, bringen sie keine Frucht. Vereinnahmt von den alltäglichen Sorgen und den verlockenden Konsumgütern, wird ihr Glaube oberflächlich und erstickt allmählich. Nur ein Samen auf gutem Boden sprießt und gedeiht, so das neutestamentliche Gleichnis vom Sämann.

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