(Foto Fantur: Grablegung Jesu, Fresko im Eingangsbereich der Grabeskirche in Jerusalem)

 

Der Tod hinterlässt eine langen Schatten. Die einen scheren aus, andere suchen nach Auswegen und leben von Erinnerungen, wieder andere halten Ausschau nach existenziellen Lichtimpulsen und Hoffen auf ein Kerzenlicht, das niemals erlischt.

 

 

Der vernünftige Mensch glaubt an die Ausbeutung der Erde, flüchtet in die Aktivität und strebt nach Gütern, Erkenntnissen, Gesetzen und nach rationaler Beherrschung der Welt. „Sein Unsterblichkeitsglaube ist der Glaube an ihren Fortschritt: als tätiges Glied in der ewigen Kette des Fortschritts glaubt er sich vor dem völligen Verschwinden bewahrt.“ (Hermann Hesse)

Die Flucht vor dem Tod drückt sich in der gesteigerten menschlichen Aktivität und der oft unkritischen Anhäufung von materiellen und immateriellen Gütern aus. Auf diese Weise schafft er sich Ersatzreligionen, um auf dieser Ebene ewiges Leben zu erwirken. Aber er zieht unbewusst seinen physischen Tod wie einen Rattenschwanz nach sich, den er nicht abschütteln kann.

Kerze der Unvergesslichkeit

Wenn du an mich denkst, erinnere dich an die Stunde, in welcher du mich am liebsten hattest.“ (Rainer Maria Rilke)

In Gedenken werden die Gräber geschmückt und man achtet, dass zum Zeichen des Lebens eine Kerze brennt. Lebendiger und belebender sind die Erinnerungen an den Heimgegangenen. Unvergesslich sind Momente des gemeinsamen Lachens, des geteilten Leides, der Familienfeste, der Aufopferungen, der Blickkontakte, der aufmunternden Worte, des Geborgenheitsgefühls, … Sie sind kein Stachel der Erinnerung, sondern eine Wundsalbe der Seele.

 

Verankerte Hoffnung

Vor dem Tod erschrickst du? Du wünschest unsterblich zu leben? Leb in Ganzen!“ Wenn du lange dahin bist, es bleibt.“ (Friedrich Schiller)

Die Angst vor dem Tod kann mit dem Glauben an die Unsterblichkeit überwunden werden. Der Wunsch nach Unvergänglichkeit ist Teil und Antriebsfeder der menschlichen Existenz. Voraussetzung dafür ist, dass der Mensch nicht ideologisch eingeschränkt, sondern im Ganzen eingebettet ist und danach lebt. Er bleibt dann in Erinnerung der Hinterbliebenen und bleibt in einer anderen Existenzform weiter.

 

Endloser Neuanfang

Für mich ist das Ende, aber auch der Beginn.“ (Dietrich Bonhoeffer)

Die Abschiedsworte des evangelischen Theologen und Widerstandskämpfers vor der Ermordung im KZ- Flossenbürg zeugen von einer tiefen Hoffnung und Überzeugung, dass dem physischen Tod ein Neubeginn erwartet. Das Ende wird zur Wende. Der Glaube an die Auferstehung begleitet den Menschen ein Leben lang … und er steht auf, immer und immer wieder … bis zum letzten Aufstehen.

 

XIV. Station: DER HEILIGE LEICHNAM JESU WIRD IN DAS GRAB GELEGT

(Josef aus Arimathäa) „Und er nahm ihn vom Kreuz, hüllte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in den Felsengrab, in dem noch niemand bestattet worden war.“ (Lk 23,53)

 

 

Anhang mit

weiterführenden Gedanken:

„‚Sie haben ihren Vater verloren?‘ ‚Verloren?‘ Sie schüttelte den Kopf. ‚Nein! Was man tief in seinem Herzen besitzt, was mit uns verbunden ist in jedem Gedanken und Gefühl, das kann man nicht verlieren. Er starb. Das ist nur ein Wort, das den Überlebenden wehtut. Mehr ist es nicht.'“                                                                    (Ludwig Ganghofer, Das Schweigen im Walde, S. 92, in: https://www.math.tugraz.at/~prodinger/schweigen_im_walde.pdf)

 

„Von guten Mächten wunderbar geborgen,

erwarten wir getrost, was kommen mag.

Gott ist bei uns am Abend und am Morgen

und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“                                      

Dietrich Bonhoeffer, Von guten Mächten, Brief aus dem Kellergefängnis des Reichssicherheitshauptamtes in Berlin,                                                    in: https://www.ekd.de/eg-65-von-guten-machten-wunderbar-geborgen-11493.htm

 

 

„Er sandte mir das Schicksal tiefen Schlaf.

Ich bin nicht tot, ich tauschte nur die Räume.

Ich leb in euch, ich geh in eure Träume,

da uns, die wir vereint, Verwandlung traf.

Ihr glaubt mich tot, doch dass die Welt ich tröste,

leb ich mit tausend Seelen dort, an diesem wunderbaren Ort,

im Herzen der Lieben. Nein, ich ging nicht fort

Unsterblichkeit vom Tode mich erlöste.“

Michelangelo Buonarotti.                                                                                                            in: gedichte7.de/ich-bin-nicht-tot.html

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