Gewissen

BARMHERZIGKEIT GEGEN HARTHERZIGKEIT

(Foto Fantur: 8-eckige Kirche in Israel für 8 Seligpreisungen)

 

Die Kirche der Seligpreisungen liegt am Nordufer des Sees Genezareth in Israel. Das 8-eckige Gotteshaus und die Gedenksteine auf dem Weg zur Kirche erinnern an Jesu Makarismen (Seligpreisungen).


„Selig, die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.“ (Mt 5,7)

Barmherzigkeit, heißt im Jüdischen „Rahamim“ („Rechem“) und bedeutet „Gebärmutter“. Die Mutter versorgt ihr Ungeborenes, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Sie liebt es, in dem sie sich um das Wohlergehen ihrer Leibesfrucht sorgt. Es ist eine angeborene und instinktive Grundhaltung der werdenden Mutter.
Nach der Geburt kann diese Grundhaltung der Barmherzigkeit auch durch die äußeren Einflüsse verlorengehen. Die Ich-Zentriertheit und das Streben nach irdischen Lustangeboten können die Barmherzigkeit schwächen. Die Sehnsucht nach der angeborenen Grundhaltung schwindet aber niemals ganz.
Barmherzigkeit wird von der Vergebung begleitet. Die unbarmherzigen Taten verursachen Leid. Der Wunsch nach Verzeihung eröffnet die Hoffnung nach Befreiung von Schuld und ermöglicht den Neuanfang. Die Vergebung ist die zweite Seite der Barmherzigkeit in einer Welt der Unvollkommenheit.

„Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.“ (Mt 5,8)

In der biblischen Auffassung ist das Herz die Mitte der Person und der Sitz der menschlichen Vernunft, des Denkens, Urteilens und Planens. Hier befindet sich die Gesinnung des Menschen und all die Motive seines Handelns. So könnte das Herz auch Ort des Gewissens sein. Von Herzen strahlen auch die Gefühle der Freude und Traurigkeit aus.
Das Herz reinzuhalten ist für das fleischliche Wesen in einem sozio-kulturellen Umfeld eine tägliche Herausforderung und oft eine Achterbahn. Die Wege dorthin wären eine geistvollere Lebenseinstellung und ein Gewissen, das bestrebt ist, sich ständig zu veredeln. Die Möglichkeit einer Reinwaschung des Gewissens würde der Herzpflege guttun.

GLÜCKSHERZ

(Foto Fantur: Polster-Herz)

 

 

„Zeichen des glücklichen Herzens ist ein frohes Gesicht; Sorgen und Kummer sind quälendes Grübeln.“ (Sir 13, 26)

„Glück“ ist auch ein Thema des Alten Testamentes (z. B. Weisheitsbuch Jesus Sirach), welches im Herzen verankert ist. Das „Herz“ ist das Zentrum des Menschen. In der Vorstellung der biblischen Zeit war das der Ort, wo sie das Wesentliche im Menschen abspielt: das geistige Wahrnehmen, das Nachdenken, das Urteilen, das Wollen und das Planen. Und das glückliche Herz spiegelt sich im frohen Gesicht wider: keine Sorgenfalte, keine Träne, kein stierer und vergrämter Blick. Tägliche Sorgen verkümmern den Lebenswillen, belasten das Herz und machen an Leib und Seele krank.

„Gut ist der Reichtum, wenn keine Schuld an ihm klebt; schlimm ist die Armut, die aus Übermut entstand.“ (Sir 13, 24)

Reichtum ist kein Übel. Aber auf korrupte Weise angeeigneter Reichtum kann Unruhe bei Tag und Nacht zur Folge haben. Die Sorge, nicht erwischt zu werden und dem Betrogenen nicht zu begegnen, ist allgegenwärtig. Dazu kommt der Kummer, die Hochschätzung im Nu zu verlieren.

Eine unkontrollierte Maßlosigkeit und übersteigertes und nicht mehr angemessenes Selbstwertgefühl können – so wie bei einem Lottogewinner, der mit dem Gewinn nicht mehr umgehen kann – in den Ruin und wieder in die Armut führen.

„Wohl dem Menschen, dem sein eigener Mund keine Vorwürfe macht, der nicht klagen muss vor Kummer über seine Sünden.“ (Sir 14, 1)

Überschnell und oft unbedacht zerredet man Mitmenschen. Verletzende Worte und Schuldzuweisungen können aber wie ein Frisbee sein. Sie kommen zurück, strapazieren das Gewissen und häufen Schuldgefühle an.

„Das Herz des Menschen verändert sein Gesicht und macht es heiter oder traurig.“ (Sir 13, 25)

Die Zufriedenheit und das Glück sind dem Menschen ins Gesicht geschrieben.

EIN LICHT GEHT AUF

(bearbeitetes Foto Fantur: Lichtspritzer)

 

 

Ich entzünde ein Licht,

inmitten des vernarbten Herzens,

des verstaubten Gewissens,

da geht ein Licht auf.

Ich entzünde ein Licht,

inmitten gieriger Blicke,

ungebändigten Verlangens,

da geht ein Licht auf.

Ich entzünde ein Licht,

inmitten vergrämter Gesichter,

vertriebener Menschen,

da geht ein Licht auf.

Ich entzünde ein Licht,

inmitten geballter Faust,

der unverdauten Wut,

da geht ein Licht auf.

Ich entzünde ein Licht,

inmitten getrübter Aussichten,

dem Weg ohne Helligkeit,

da geht ein Licht auf.

Ewiges Licht in mir,

da geht ein Licht an,

entflammt mein Herz,

entzündet die Idee.

Peter Fantur