Bibel

GLÜCKSHERZ

(Foto Fantur: Polster-Herz)

 

 

„Zeichen des glücklichen Herzens ist ein frohes Gesicht; Sorgen und Kummer sind quälendes Grübeln.“ (Sir 13, 26)

„Glück“ ist auch ein Thema des Alten Testamentes (z. B. Weisheitsbuch Jesus Sirach), welches im Herzen verankert ist. Das „Herz“ ist das Zentrum des Menschen. In der Vorstellung der biblischen Zeit war das der Ort, wo sie das Wesentliche im Menschen abspielt: das geistige Wahrnehmen, das Nachdenken, das Urteilen, das Wollen und das Planen. Und das glückliche Herz spiegelt sich im frohen Gesicht wider: keine Sorgenfalte, keine Träne, kein stierer und vergrämter Blick. Tägliche Sorgen verkümmern den Lebenswillen, belasten das Herz und machen an Leib und Seele krank.

„Gut ist der Reichtum, wenn keine Schuld an ihm klebt; schlimm ist die Armut, die aus Übermut entstand.“ (Sir 13, 24)

Reichtum ist kein Übel. Aber auf korrupte Weise angeeigneter Reichtum kann Unruhe bei Tag und Nacht zur Folge haben. Die Sorge, nicht erwischt zu werden und dem Betrogenen nicht zu begegnen, ist allgegenwärtig. Dazu kommt der Kummer, die Hochschätzung im Nu zu verlieren.

Eine unkontrollierte Maßlosigkeit und übersteigertes und nicht mehr angemessenes Selbstwertgefühl können – so wie bei einem Lottogewinner, der mit dem Gewinn nicht mehr umgehen kann – in den Ruin und wieder in die Armut führen.

„Wohl dem Menschen, dem sein eigener Mund keine Vorwürfe macht, der nicht klagen muss vor Kummer über seine Sünden.“ (Sir 14, 1)

Überschnell und oft unbedacht zerredet man Mitmenschen. Verletzende Worte und Schuldzuweisungen können aber wie ein Frisbee sein. Sie kommen zurück, strapazieren das Gewissen und häufen Schuldgefühle an.

„Das Herz des Menschen verändert sein Gesicht und macht es heiter oder traurig.“ (Sir 13, 25)

Die Zufriedenheit und das Glück sind dem Menschen ins Gesicht geschrieben.

GEKÖPFTE MARIA – VERWÜSTETE KIRCHEN

 

(Fotos CiN: verwüstete christliche Gotteshäuser in Syrien und Irak)

„Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihnen gehört das Himmelreich.“ (Mt 5,10)

„In Nord-Nigeria geht der schleichende Genozid an Christen weiter.“ (Christen in Not, September 2024, 3).120.000 armenische Christen wurden aus Berg-Karabach (Aserbaidschan) vertrieben (vgl. CiN, August 2024, 3). Christliche Studentin in Assiut in (Ägypten) wurde zur Zwangsislamisierung entführt (CiN, März 2024, 4).  Hundert Mal wurde der populäre christliche Straßenprediger Chen Wensheng (China) inhaftiert (CiN, Jänner 2024, 4). „Mit dem Massaker von Kandhamal in Odisha im Jahr 2008 wurde der Staat Zeuge des vielleicht schwersten Angriffs auf Christen in der jüngeren Geschichte Indiens.“ (CiN, Ausgabe 8, 2020, 4). Das sind nur einige ausgewählte Schlagzeilen von den jüngsten Berichten über Christenverfolgungen von „Christen in Not“. Die internationale Organisation setzt sich für verfolgte Gläubige (nicht nur Christen) ein.
Zurzeit wütet die größte Christenverfolgung der Geschichte der Menschheit. Rund 200 Millionen Christen, in 172 Ländern, werden weltweit diskriminiert, so Christen in Not. Jemanden nur des Glaubens willen zu verfolgen, zu vertreiben oder zu töten, besudelt seine eigene Religion. Diese diabolische Einstellung kommt der Gotteslästerung gleich und die Verfolgungen verachten das menschliche Wesen als Abbild Gottes. Darüber hinaus widerspricht die Christenverfolgung der Haupt-Säule des Islam, dem Zakat, wonach die Hilfe an Armen und Notleidenden zur Pflicht gemacht wird.
CiN erwähnt auch eine „Christianophobie“ in Europa. „In den westlichen Ländern gibt es eine latente ‚psychische Verfolgung‘, die darauf ausgerichtet ist, die religiösen Gefühle der Christen zu treffen (https://christeninnot.com/christenverfolgung/#verfolger).

Bei übler Nachrede in der breiten Öffentlichkeit kann der Täter eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr bekommen. Rufmord, der das Ansehen einer Person ruiniert und Existenzen zerstört, wird unter Berufung auf das StGB geahndet      (https://www.anwalt.org/rufmord/). Verletzung der religiösen Gefühle und Stigmatisierungen werden einfach bagatellisiert, als Scherz abgetan oder in das Recht auf kulturelle Freiheit verpackt. Pauschale Verletzungen der religiösen Gefühle beleidigen nicht nur die Institution Kirche, Vatikan und den Papst, sondern jeden einzelnen auch im Rang „einflusslosen“ Christen.

IM NAMEN DER BIBEL

(Foto Fantur: Bibel, Holy Bible, Sveto Pismo und Co.)

 

Schlagzeilen aus evangelikalen Kreisen: Promipastor (Ted Haggard) tritt als Homosexueller zurück und bezeichnet sich als „Lügner und Sünder“. Baptisten lehnen Homosexualität ab. Weiße Evangelikale in den USA schreiben Naturkatastrophen eher der Endzeit als dem Klimawandel zu. Für Trennung von Kirche und Staat, aber für Donald Trump. Trennung von Glaube und Wissen, und Darwin meiden. Gewisse evangelikale und freikirchliche Gemeinschaften berufen sich dabei gerne wortwörtlich auf die Holy Bible, die von Gott inspirierte Bibel. Und wer die Auslegung des Predigers, der sich nur auf die Bibel beruft, hinterfragt, der erhebt die Hand gegen Jesus selbst.

Bibel und sonst gar nichts?

Die Lehre der Reformatoren geht von der Sola Scriptura aus, das heißt, der Ausgangspunkt ist nur die Heilige Schrift. Es gilt auch für Evangelikale nur die Heilige Schrift, die von Gott inspiriert, die Wahrheit ausdrückt. Wenn ein Fernsehprediger aus der Heiligen Schrift vorliest und sie auslegt, ist es nicht mehr nur die Heilige Schrift. Mit der Auslegung fließen schon Interpretationen hinein. Nicht nur ein Prediger ist vom kulturellen Umfeld, seinen guten und weniger guten Lebenserfahrungen, seiner persönlichen Weltanschauung und vererbten Anlagen beeinflusst. All dies ist in die predigende Auslegung der Heiligen Schrift gründlich hineingepackt.

Wort Gottes und menschliche Interpretation 

Die von Gott inspirierte Bibel (Altes und Neues Testament) ist auch durch menschliches Zutun verfasst worden. Das Alte Testament ist über Jahrhunderte und das Neue Testament über einige Jahrzehnte mündlich tradiert worden. Da vereinen und ergänzen sich Wort Gottes und menschliche Begriffsfelder sowie das sozio-kulturelle Umfeld. Die Evangelisten versuchten die Frohbotschaft wortgetreu (mnemotechnisch) weiterzugeben und setzten auch eigene Akzente.

Päpstlicher als der Papst

Legitim wäre es die Bibel von Fachkundigen (Wissenschaftlern, Berufenen) auslegen zu lassen und die Heilige Schrift nicht zu einem Supermarkt von Interpretationen zu degradieren. Ein Muslime sagte, dass er keine Beichte kenne und er in der Moschee die Sünde mit seinem Gott selbst bereinige. Auf das Thema bezogen: man liest die Bibel ideologisch, holt das Passende heraus und konstruiert ev. einen Religionskrieg. Jeder Christ ist in gewisser Hinsicht ein Berufener, aber zur Bibelauslegung gehört auch eine inhaltliche Richtschnur von Berufen. Wer sind diese Personen? Es sind jene, die fachkundig sind, eine Legitimation der Glaubensgemeinschaft haben, in einem historischen Kontext und der Tradition agieren, auf dem historischen Jesus Bezug nehmen und prophetisch auf die Herausforderungen der Zeit eingehen.
Der biblische Gott wird auch den Promipastor so nehmen wie er ist, weil er jedem Sünder durch Verzeihen die Chance gibt, einerseits sich so zu nehmen, wie man ist, und andererseits immer wieder umzukehren.

DOPPELMORAL DER SEXUALAPOSTEL

(Foto Fantur: Regenbogen über Mittewald bei Villach)

 

 

Die Bibel setzt sich auch mit der gleichgeschlechtlichen Liebe auseinander. Im Römerbrief (1, 26f.) steht geschrieben: „Darum hat sie Gott dahingegeben in schändliche Leidenschaften; denn bei ihnen haben Frauen den natürlichen Verkehr vertauscht, mit dem widernatürlichen; desgleichen haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sich in Begierde zueinander entbrannt.“ Gemäß den kulturellen Normen der damaligen Zeit entspricht die heterosexuelle geschlechtliche Liebe als natürlicher Verkehr. „Für die heutige Bewertung von gleichgeschlechtlicher Sexualität kann der Text nicht pauschal herangezogen werden, weil er nur nach Praktiken, nicht aber nach homosexueller Identität fragt. (Stuttgarter Erklärungsbibel, Seite 181f.)

Offene Kirche

Die sexuelle Identität ist etwas Persönliches. Es ist eine individuelle Wahrnehmung von sich selbst und des eigenen Geschlechts und hat nichts mit der sexuellen Beziehung zum anderen zu tun. Die ur- persönliche sexuelle Identität ist schützenswert. Die Verletzung dieser Integrität ist menschenverachtend und verletzt die Menschenwürde. Jeder darf so sein und sich fühlen, wie es seiner Natur entspricht. Man kann weder die sexuelle Identität noch die Hautfarbe austauschen. Headlines in den Vatican News: „Papst über Homosexuelle: Kirche offen für ‚alle, alle, alle‘.“ (Vatican News vom 28. August 2023)

Verkehrte Verfolger

Gnadenlos sind die queeren Menschen der Ausgrenzung, Verfolgung und Kriminalisierung ausgesetzt. In einigen Ländern droht ihnen sogar die Todesstrafe. Den Taten gehen immer Worte voraus, wenn von den Populisten und Volksverführern Hetzkampagnen entfacht und ihre sexuelle Identität/Existenz infrage gestellt werden.

Befleckte Moralapostel?

Zu den Gegnern der queeren Menschen zählen Personen mit fundamentalistischer Einstellung, die sich generell sehr schwer mit Andersartigkeit tun oder solche, die ausgewählte Passagen aus der Heiligen Schrift unreflektiert und wortwörtlich interpretieren. Einige Volksverführer sollten ihre eigene heterosexuelle Identitätskarte anschauen. Ist das nicht genau so quer, wenn sich ausgewählte Volksverführer Liebe mit fremden Frauen erkaufen, wenn sie Parallelbeziehungen führen, wenn uneheliche Kinder auf der Strecke bleiben und Affären oft mit aller Gewalt geheimgehalten werden, … ?

SORGENBLICK DER MUTTER

(Foto Fantur: Geburt Jesu aus dem Freskenzyklus von Giotto in der Scrovegni Kapelle in Padua)

 

Im Bildzentrum befindet sich Jesus und Maria in einem Stall. Das gewickelte Jesuskind, das nicht in der Krippe liegt, sucht den direkten Blickkontakt zur Mutter Maria. Sie liegt auf einer Matratze. Ihr Blick auf Jesus ist fürsorglich, zugleich aber besorglich, so als würde sie mit Sorgenfalten in seine Zukunft blicken. Hatte sie eine Vorahnung, dass Jesu Leben auch zum Leidensweg wird, der am Kreuz ein vorläufiges Ende findet? Daneben steht eine Frau, eine Hebamme, die das Kind der Mutter reicht. Die dreidimensionale Darstellung der Geburt Jesu ist ein Meisterwerk von Giotto (di Bondone, 1267 oder 1276-1337), das in der Scrovegni Kapelle in Padua zu bewundern ist.

Nur Josef sitzt ganz vorne, außerhalb des Stalles, mit dem Rücken zu Jesus und Maria gekehrt. Zusammengekauert, wie eine Skulptur, hat er die Augen verschlossen. Schläft oder sinniert Josef, hat er Schuldgefühle? Er ist die einzige Person, die in Richtung des Bildbetrachters ausgerichtet ist.

 

Geburt, die die ganze Natur umschließt

Zu Maria und Jesus sind ein Ochs und ein Esel gewandt. Zeitgemäß könnten Sie für das Neue (Ochs) und das Alte Testament (Esel) stehen. Aber: beide suchen die unmittelbare Nähe zu Jesus. Etwas entfernt von der heiligen Geschichte liegen die Schafe und Böcke am Boden. Sind die Schafe ein Hinweis auf das „Lamm Gottes“, das gekreuzigt und die Sünden der Welt hinwegnehmen wird? Oder ist das eine Anspielung auf das Gleichnis vom Weltgericht (Mt 25,31-46), demnach die tadeligen Schafe gesegnet und die aufsässigen sowie verwerflichen Böcke verdammt werden?

Recht beweglich und umtriebig sind die betenden Engeln. Drei von ihnen blicken in Richtung Himmel, der mittlere Engel sieht auf dem Stall hinab und der fünfte Engel verkündet den Hirten die Geburt Jesu.

GREIF MEINE WÜRDE NICHT AN!

(Foto Fantur: Buntheit in Einheit)

 

„Der Mensch muss Träger, Schöpfer und das Ziel aller gesellschaftlichen Einrichtungen sein.“ (Mater et Magistra, 219) Das ist das Grundprinzip der katholischen Soziallehre. In der Natur gleicht kein Blatt dem anderen und auch keine Person der anderen. Jeder Mensch ist trotz seiner Fehler einzigartig, ein Individuum (ungeteiltes Wesen) mit Würde ausgestattet, ein Abbild Gottes und zugleich Teil der Gesellschaft. Das würdigt erst eine Person.

 

Der Würde entblößt 

Im Kontrast dazu steht die Entwürdigung des Menschen, wenn er als wertlos behandelt, nicht gewollt und ausgegrenzt wird; zum Beispiel, wenn für Behinderte der Zugang zu öffentlichem Leben unmöglich gemacht und sexuelle Andersartigkeit diskriminiert wird, wenn geschlechtliche Gewalt ausgeübt und dem Kind das Kind-Sein geraubt wird, … . Entwürdigend ist auch der Rassismus, der die Hautfarbe, die Muttersprache und Kultur des anderen von vornherein ablehnt sowie verfolgt. Die Würde bleibt auch auf der Strecke, wenn die Technik und das Wirtschaften zum Selbstzweck werden und nicht mehr in erster Linie dem Menschen dienen. Im Krieg geht jede Personenwürde verloren, wenn der Mensch zum Kriegsmaterial entwürdigt wird.
 

In Würde bewahrt 

Das Personalitätsprinzip der katholischen Soziallehre besagt, dass jede Person, ohne Ausnahme sich selbst entfalten darf, um in Würde das Leben gestalten zu können. Dabei ergänzen sich die persönliche Selbstverwirklichung in Vereinigung mit der Vielfalt. Auf diesem Wege könnte das Gemeinwohl (Bonum Commune) für alle verwirklicht werden. 

WOHL ERGEHEN OHNE ABSTRICHE

(Foto Fantur: Garten der Villa Carlotta in Tremezzina, Como, ITA)

Politisch Verantwortliche heben stets hervor, allein das Wohl der Wähler:innen im Auge behalten zu wollen und sie behaupten nur Diener des Volkes zu sein. Demnach dürfte es keine Kriege mehr geben, Andersdenkende nicht inhaftiert und getötet werden und jeder müsste einen Zugang zu den Grundbedürfnissen des Lebens haben. So müsste der Respekt vor dem Wert des menschlichen Lebens allgemein anerkannt und bei Verletzung verfassungsrechtlich angeprangert werden. Es ist halt leider nicht so, da doch immer wieder Eigeninteressen dem Gemeinwohl übergeordnet werden.
 

Lebenssaft „Gemeinwohl“ 

Ein Grundprinzip der Soziallehre der katholischen Kirche ist das Gemeinwohl (Bonum commune), das gefördert und allen Menschen zugänglich gemacht werden muss (vgl. Gaudium et spes, II. Vatikanisches Konzil, Nr. 26). Das Gemeinwohl ist wie ein Baum, der den Ästen, Zweigen und Blättern Halt, Erhalt und den „Saft“ gibt. Das Bonum commune enthält lebensgrundlegende Bausteine:

 
Da wären die Grundbedürfnisse, wie Recht auf Arbeit, gerechter Lohn, Nahrung, Kleidung, Wohnung, die gedeckt werden müssen. Das wäre die Grundlage für ein Leben und Alltag in Würde. Das Gemeinwohl sei das oberste Ziel des Wirtschaftens. Dem steht in der Realität die Lohn-Ungerechtigkeit, die ungerechte Verteilung der Ressourcen und der Grundnahrungsmittel, die Ausbeutung, … gegenüber.
 

Freiheit mit Verantwortung 

Zum Bonum commune (engl. Commonwealth) gehört auch die Freiheit. Sie ist die Summe aller persönlichen Freiheiten, die in Verantwortung die Freiheit des anderen achten und nicht einschränken. Trotz allem wird dieses Gut eingeschränkt: die Freiheit wird auf Kosten anderer rücksichtslos ausgelebt, der gute Ruf geschädigt, Andersdenkende verfolgt und getötet, Regierende bestellen willfährige Richter, … . Das Allgemeinwohl ist der Garant für die Würde des Menschen!

(Foto Fantur: Lienzer Passage am Hauptplatz)

AUF-WIEDER-SEHEN

(Foto Fantur: Grab der Erinnerung)

 

Am Allerseelen (2. November) stehen Massen am Grab. In Gedenken an die Verstorbenen werden alljährlich Friedhöfe aufgesucht. Am Grab gedenkt man der Angehörigen und Nahestehenden, erbietet ihnen Ehrfurcht und Dankbarkeit und hofft insgeheim, dass sie sich in einer besseren Welt aufhalten. Die Lebenden hoffen, dass sich für die Verstorbenen das Bibelwort bewahrheitet: „Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.“ (Off. 21,4)

 

Hoffnungsgrab

 

Das Grab wird festlich geschmückt mit Symbolen, die Hoffnung nähren. Das Kreuz erinnert an die Hinrichtung Jesu am Karfreitag und zugleich wird es mit der Hoffnung auf die Auferstehung verknüpft. Das Kreuz soll die Trauer, Klage, Leid überwinden.

Unzählige Kerzen zieren die Gräber. Ein Erlebnis ist es, bei Dunkelheit den Friedhof aufzusuchen. Ein Meer von Lichtern leuchtet den Friedhof auf. Die brennende Grabkerze symbolisiert Licht, das die Dunkelheit (auch des Grabes) überwinden soll. Das brennende Docht steht für das Gebet. Die Kerzen mit ihren Aufschriften sind Zeugen der urmenschlichen Hoffnung nach Wiedervereinigung und Weiterleben: „In stillem Gedenken“, „Du fehlst mir“, „Dem Himmel so nah“, „Wenn die Zeit endet, beginnt die Ewigkeit“.

 

Triumphkranz

 

Zum Grabschmuck gehört auch ein Gesteck oder Grabbukett. In der herbstlichen Übergangszeit verliert die Natur das satte Grün. Blätter der Laubbäume verfärben sich, fallen zu Boden, werden zur Erde umgewandelt. Das kräftige Grün der Gestecke am Grab versprüht Leben und vermittelt Hoffnung. Ein Gewinde aus Laub und Blumen war nicht nur im Christentum ein Symbol für Gewinner. Der Kranz war immer ein Siegeszeichen nicht nur im Wettkampf, sondern auch ein Symbol für den Sieg über den Tod. Der Kranz war auch ein Siegeszeichen für den Märtyrer.

Blumen sollen das blühende Paradies am Grab darstellen. Chrysanthemen sind besonders beliebte Grabblumen. Die Chrysantheme zeichnet eine farbenprächtige Blüte aus und sie trotzt auch den frostigen Temperaturen. Deswegen steht sie für langes Leben. Beliebt ist auch die Rose, die für Unschuld und Reinheit steht.

MIT EINEM GANSL, WEIN UND DER LATERNE ZUM FEST

(Fotos Fantur: Pfarrkirche St. Martin in Šmartno, SLO, und Vorbereitungen auf das Weinfest)

Nach einer Legende versteckte sich der heilige Martin von Tours im Gänsestall, um der Bischofswahl zu entfliehen. Durch ihr Schnattern verrieten ihn die Gänse. Infolgedessen wurde er erst recht zum Bischof gewählt. Daher rührt auch der Verzehr der Martinsgans am Martinifest (11. November).
 

Mantel geteilt 

Martin (317? – 397 n. Chr.) ist einer der ersten Heiligen, der kein Märtyrer war. Als vom Volk gewählter Bischof zeichnete er sich als Asket aus. Er lebte in einer Mönchsgemeinschaft und verzichtete auf jegliches Eigentum. Der Hang zur Armut, Bescheidenheit und Spendenfreudigkeit zeichnete Martin schon als Jugendlichen aus. Am Stadttor von Amiens teilte er als Soldat mit einem frierenden Bettler seinen Mantel. Den Mantel hatte er zuvor mit einem Schwert geteilt. In der Nacht erschien Jesus in einem Traum mit diesem Mantelstück, das er dem Bettler gegeben hat. Das war in Martins Jugendjahren der Wendepunkt zum Christentum und er ließ sich taufen.

Wein, Gesang und Umzüge 

Zum Fest des hl. Martin sind viele Traditionen und Bräuche überliefert. Demnach habe er auch einen üppigen Weinbau an der Loire beeinflusst. In diesem Sinne findet auch in diesem Jahr im Weinbaugebiet in Šmartno, in der slowenischen Küstenlandschaft (Primorska), ein Weinfest statt. Es ist ein religiös-kulturelles, aber besonders kulinarisches Event. 

 
Auch in Kärnten sind die Martinsumzüge sehr beliebt. Dabei ziehen Kinder mit gebastelten Laternen durch die abendlichen Straßen und singen das Martinslied. Darin wird das Teilen des Mantels thematisiert. Wie zu Allerheiligen kommt auch am Martinsfest die Lichtsymbolik zum Tragen.
 
Wie bereits erwähnt, gehört zum Martinstag auch das Gans(l)essen. Die Gans wird mit Rotkraut und Erdäpfelknödeln serviert. In früheren Zeiten war das der letzte üppige Festschmaus vor der 6-wöchigen Fastenzeit vor Weihnachten.
Der hl. Martin ist der Schutzpatron der Soldaten, Armen und Bettler sowie der Pferde. In der St. Martinskirche in Šmartno wird er als Bischof dargestellt. Verbreitet ist auch die Darstellung des Heiligen als Soldat beim Überreichen des Mantelstückes oder in Begleitung einer Gans. 

DIE UNSTERBLICHEN

(Fotos Fantur: Kirche Sant’Apollinare Nuovo, Ravenna)

 

 

„Du hast Gewalt über meinen Körper, aber über meine Seele vermagst du nichts; denn über sie hat Gott allein Macht,“ erwiderte Florian dem Stadthalter Aquilin. Er weigerte sich den heidnischen Göttern zu opfern und bekannte sich zu Christus. Er wurde zur Zeit der diokletianischen Christenverfolgung mit einem Stein um den Hals in der Enns ertränkt. Florian (Gedenktag: 4. Mai) ist der Schutzheilige unter anderem bei Feuer- und Wassergefahr. Die Feuerwehrleute werden auch Florianjünger genannt.

 

Unsterbliche Beschützer

 

Er war einer unter den zahlreichen christlichen Märtyrern der Antike, die für den christlichen Glauben ihr Leben hingaben. In der christlichen Nachwelt wurden sie zu unsterblichen Schutzpatronen. Das sind Heilige, die Fürsprecher für einen Berufsstand, Zustand, Ort oder Land geworden sind.

Märtyrer in weiß

 

Einen besonderen Stellenwert und Bedeutung bekommen die Märtyrer-Heiligen in der Kirche San Apollinare di Nuovo in Ravenna. An der Nordwand sind die Märtyrerinnen und an der Südwand die Märtyrer dargestellt. Die Märtyrerinnen ziehen in Begleitung der hl. drei Könige hin zu Maria mit dem Jesuskind im Schoß. Das Prozessionsziel der Märtyrer ist der thronende Christus. Die Palme steht für den Sieg und die Überwindung des Todes; in den Händen tragen sie Lorbeerkronen in Erinnerung an ihr Leiden. Sie sind in eine weiße Tunika gehüllt, die weiße Farbe symbolisiert die Reinheit und Unschuld.