
(Foto Fantur: Schuster Martin, gespielt von Ernst Müller vom Ensemble EliThe)



(Foto Fantur: v. l. Harald Triebnig, Ernst Müller, Berlinda Wriessnegger, Leo Moser, Sebastian Gutschi und Horst Bernel vom Ensemble EliThe).
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(Foto Fantur: Ernst Müller alias Schuster Martin beim Lesen der Lebensquelle – Bibel, l. Ernst Müller mit dem Engelsboten Marie Lisa Korb).
Schuster Martin werkt Tag und Nacht in seinem Keller. Sein Blick in die Außenwelt führt durch ein kleines Kellerfenster. Hier beobachtet er die Schuhe von vorbeigehenden Passanten, die allesamt von ihm angefertigt worden sind. Er zog sich zurück, nachdem seine Frau früh verstorben war und er Jahre später auch noch seinen einzigen Sohn verloren hatte. In der Phase des Rückzugs und der tiefen Trauer findet er Trost beim Lesen des Evangeliums. Da hört er eine Stimme: „Martin, Martin, morgen will ich zu dir kommen!“
Und es kamen auf Besuch: der Bettler Stephanitsch, die junge Mutter Anastasia der Junge Sascha, und so weiter.
„Schuster Martin“ (Шустрый Мартин) ist eine Meistererzählung des russischen Schriftsteller Leo Nikolajewitsch Tolstoi und für die Bühne von Maria Müller Debenjak bearbeitet. Das Ensemble EliThe führte das Stück in sensibler und berührender Art 2025 in der Pfarrkirche in der Wallfahrtskirche in Maria Elend/Podgorje auf.
Wo Liebe – da Gott
Der am Akkordeon spielende Bettler und Kriegsinvalide Stephanitsch (Harald Triebnig) schüttet ihm sein Herz aus. Er erzählt, wie er als russischer Soldat und „Schachfigur der Obrigkeit“ ein schönes Land besetzte, niederbrannte und Kinder sowie Frauen verfolgte. (Oh, wie aktuell). Der Lohn des Kriegsversehrten – Unehre und Betteln auf der Straße. Der Schuster Martin gibt ihm Brot, neue Stiefel und Wärme in seiner Kellerstube. Der Schuster (Ernst Müller) ist im Zeichen der Versöhnung und Nächstenliebe ein Mediator und Helfer. Dem Straßenjungen Sascha (Leo Moser) vermittelt er ein neues Heim, der alleinerziehenden jungen Mutter Anastasija (Berlinda Wriessnegger) ermöglicht er Arbeit und Lohn beim gewandelten griesgrämigen Großgrundbesitzer Igor Vasiliev (Horst Bernel). Die Stimme Jesu aus dem Evangelium ist bei Martin wohl Fleisch geworden: wo die Liebe ist, da ist Gott. Oder wie es im Matthäus-Evangelium steht: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40).
Es war ein passender vorweihnachtlicher Lichtblick von EliThe, des Ensembles für Literatur und Theater. Weihnachten ist doch schöner, wenn keiner frieren muss aufgrund von Ausgrenzung, Hass und Abstammung.
