(Foto Fantur: Was für ein Anblick für eine Mutter? Jesu Dornenkrönung von Caravaggio, 1603, KHM Wien)

 

 

Was für ein Anblick für die Mutter Jesu! Sie sieht ihren Sohn von Schlägen, Verletzungen und dem tragenden Kreuz körperlich schwer gezeichnet. Sie würde ihn gerne beistehen, doch in diesem Augenblick fühlt sie sich meilenweit von ihm entfernt.

 

 

Maria blitzen Erinnerungen auf

als Jesus nicht auffindbar war und im Tempel den Schriftgelehrten zuhörte,

als er Josef bei Tischlerarbeiten und der Montage half,

 

als er von Johannes durch die Taufe auserkoren worden ist,

als er vom Berg einer große Menge lehrte und 

ohne Ansehen der Person Wunder vollbrachte.

 

Es zerreißt ihr das Herz

Und jetzt? Maria fühlt, als würde ihr jemand das Herz aus dem Leib reißen. Sie würde ihn gerne noch dies und jenes sagen, ihn zu Seite stehen und nur von ihrem Sohn Abschied nehmen dürfen. Sogar das wird ihr verwehrt.

Sie hat ihm das Leben geschenkt und das Lebensrecht wird ihrem Sohn willkürlich entzogen. Falschen Zeugen wird mehr geglaubt als ihn. Er muss sterben, weil er eine eigene Meinung hat, weil er sich kein Blatt vor den Mund nimmt und weil er wohl zu einem störenden Gewissen und zu einer Gefahr für die da oben geworden ist.

 

Es bleibt ihr die Uhr stehen

Maria fühlt, dass ihr ein Teil für immer weggenommen wird. Für die Gottesmutter ist es niederschmetternd, dass ihr Sohn vor ihr sterben muss. Lieber würde sie ihr Leben hingeben so, dass ihr Sohn seinen Plan des Lebens fortführen und umsetzen kann. In Marias Leben tritt eine Einsamkeit, ein Gefühl der Verlassenheit und Ohnmacht ein … so, als würde die Uhr stehen bleiben.

 

 

 

IV. Station: JESUS BEGEGNET SEINER MUTTER

„Und Simeon sagte zu Maria: Dieser (Anm. Jesus) ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. … Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.“ (Lk 2,34f.)

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