nur die Heilige Schrift?

IM NAMEN DER BIBEL

(Foto Fantur: Bibel, Holy Bible, Sveto Pismo und Co.)

 

Schlagzeilen aus evangelikalen Kreisen: Promipastor (Ted Haggard) tritt als Homosexueller zurück und bezeichnet sich als „Lügner und Sünder“. Baptisten lehnen Homosexualität ab. Weiße Evangelikale in den USA schreiben Naturkatastrophen eher der Endzeit als dem Klimawandel zu. Für Trennung von Kirche und Staat, aber für Donald Trump. Trennung von Glaube und Wissen, und Darwin meiden. Gewisse evangelikale und freikirchliche Gemeinschaften berufen sich dabei gerne wortwörtlich auf die Holy Bible, die von Gott inspirierte Bibel. Und wer die Auslegung des Predigers, der sich nur auf die Bibel beruft, hinterfragt, der erhebt die Hand gegen Jesus selbst.

Bibel und sonst gar nichts?

Die Lehre der Reformatoren geht von der Sola Scriptura aus, das heißt, der Ausgangspunkt ist nur die Heilige Schrift. Es gilt auch für Evangelikale nur die Heilige Schrift, die von Gott inspiriert, die Wahrheit ausdrückt. Wenn ein Fernsehprediger aus der Heiligen Schrift vorliest und sie auslegt, ist es nicht mehr nur die Heilige Schrift. Mit der Auslegung fließen schon Interpretationen hinein. Nicht nur ein Prediger ist vom kulturellen Umfeld, seinen guten und weniger guten Lebenserfahrungen, seiner persönlichen Weltanschauung und vererbten Anlagen beeinflusst. All dies ist in die predigende Auslegung der Heiligen Schrift gründlich hineingepackt.

Wort Gottes und menschliche Interpretation 

Die von Gott inspirierte Bibel (Altes und Neues Testament) ist auch durch menschliches Zutun verfasst worden. Das Alte Testament ist über Jahrhunderte und das Neue Testament über einige Jahrzehnte mündlich tradiert worden. Da vereinen und ergänzen sich Wort Gottes und menschliche Begriffsfelder sowie das sozio-kulturelle Umfeld. Die Evangelisten versuchten die Frohbotschaft wortgetreu (mnemotechnisch) weiterzugeben und setzten auch eigene Akzente.

Päpstlicher als der Papst

Legitim wäre es die Bibel von Fachkundigen (Wissenschaftlern, Berufenen) auslegen zu lassen und die Heilige Schrift nicht zu einem Supermarkt von Interpretationen zu degradieren. Ein Muslime sagte, dass er keine Beichte kenne und er in der Moschee die Sünde mit seinem Gott selbst bereinige. Auf das Thema bezogen: man liest die Bibel ideologisch, holt das Passende heraus und konstruiert ev. einen Religionskrieg. Jeder Christ ist in gewisser Hinsicht ein Berufener, aber zur Bibelauslegung gehört auch eine inhaltliche Richtschnur von Berufen. Wer sind diese Personen? Es sind jene, die fachkundig sind, eine Legitimation der Glaubensgemeinschaft haben, in einem historischen Kontext und der Tradition agieren, auf dem historischen Jesus Bezug nehmen und prophetisch auf die Herausforderungen der Zeit eingehen.
Der biblische Gott wird auch den Promipastor so nehmen wie er ist, weil er jedem Sünder durch Verzeihen die Chance gibt, einerseits sich so zu nehmen, wie man ist, und andererseits immer wieder umzukehren.