Glück

GLÜCKSHERZ

(Foto Fantur: Polster-Herz)

 

 

„Zeichen des glücklichen Herzens ist ein frohes Gesicht; Sorgen und Kummer sind quälendes Grübeln.“ (Sir 13, 26)

„Glück“ ist auch ein Thema des Alten Testamentes (z. B. Weisheitsbuch Jesus Sirach), welches im Herzen verankert ist. Das „Herz“ ist das Zentrum des Menschen. In der Vorstellung der biblischen Zeit war das der Ort, wo sie das Wesentliche im Menschen abspielt: das geistige Wahrnehmen, das Nachdenken, das Urteilen, das Wollen und das Planen. Und das glückliche Herz spiegelt sich im frohen Gesicht wider: keine Sorgenfalte, keine Träne, kein stierer und vergrämter Blick. Tägliche Sorgen verkümmern den Lebenswillen, belasten das Herz und machen an Leib und Seele krank.

„Gut ist der Reichtum, wenn keine Schuld an ihm klebt; schlimm ist die Armut, die aus Übermut entstand.“ (Sir 13, 24)

Reichtum ist kein Übel. Aber auf korrupte Weise angeeigneter Reichtum kann Unruhe bei Tag und Nacht zur Folge haben. Die Sorge, nicht erwischt zu werden und dem Betrogenen nicht zu begegnen, ist allgegenwärtig. Dazu kommt der Kummer, die Hochschätzung im Nu zu verlieren.

Eine unkontrollierte Maßlosigkeit und übersteigertes und nicht mehr angemessenes Selbstwertgefühl können – so wie bei einem Lottogewinner, der mit dem Gewinn nicht mehr umgehen kann – in den Ruin und wieder in die Armut führen.

„Wohl dem Menschen, dem sein eigener Mund keine Vorwürfe macht, der nicht klagen muss vor Kummer über seine Sünden.“ (Sir 14, 1)

Überschnell und oft unbedacht zerredet man Mitmenschen. Verletzende Worte und Schuldzuweisungen können aber wie ein Frisbee sein. Sie kommen zurück, strapazieren das Gewissen und häufen Schuldgefühle an.

„Das Herz des Menschen verändert sein Gesicht und macht es heiter oder traurig.“ (Sir 13, 25)

Die Zufriedenheit und das Glück sind dem Menschen ins Gesicht geschrieben.

LUST AUF GLÜCK

(Foto Fantur: Graffiti am Neuen Platz in Klagenfurt)

 

Sie haben nicht viel und sie können sich nicht viel leisten. Kinder freuen sich über jede Kleinigkeit, auch über ein Bild, und strahlen dabei Glück aus. Das kann sich schnell ändern, wenn ihnen das Mehr-Haben-Wollen anerzogen wird. Dann wird das kindliche Glück messbarer und kalkulierbarer.

Die innere Stimme des Glücks

Was macht menschliches Glück aus? Dazu der griechische Philosoph Aristoteles (384-322 v. Chr.): „Die Glückseligkeit (Eudaimonia) stellt sich dar als ein Vollendetes und sich selbst Genügendes, da sie das Endziel allen Handelns ist.“ (Aristoteles, Nikomachische Ethik) „Eudaimonia“ (griech.) wird als Glückseligkeit übersetzt. „Daimonia“ steht wie das göttliche Wesen, das durch die innere Stimme dem Menschen den Zustand des Glücks, des Guten und des Schönen (griech. eu) ermöglicht.

Materielle Glücksgrenzen

Aristoteles erläutert zuerst das Glück, das etwas „Greifbares und Sichtbares wie Lust, Reichtum und Ehre“, ist. Der Notleitende strebt nach Reichtum und der Kranke nimmt alles für seine Gesundheit in Kauf. Hier werden die diesseitigen Güter zum Prinzip des Glücks erhoben. Diese Glücksgefühle müssen mit immer mehr Lust, Reichtum, Ehre, Medikamente, … gefüttert werden. Dies geht so lange, bis die Glückssträhne Rückschläge erleidet und materielle Glücksangebote nicht mehr verfügbar sind. „Das auf Gelderwerb gerichtete Leben hat etwas Unnatürliches und Gezwungenes an sich und der Reichtum ist das gesuchte Gut offenbar nicht. Es ist nur für die Verwendung da und nur Mittel zum Zweck.“ (Aristoteles)

Grenzüberschreitendes Glücksgefühl

Aristoteles bezeichnet die Güter der Seele als die vollkommenen Güter. Das Glück ist ein Geschenk der Götter an den Menschen. Aristoteles war umgeben von der damaligen altgriechischen Götterwelt. Der Philosoph erhebt das Glück, das von Gott ausgeht, zum Prinzip, welches uns leitet. So wird der Mensch mit den „Unfällen des Lebens“ erst leichter fertig.

Von der Genügsamkeit zum Glück

Das von Gott gegebene Glück äußert sich in der menschlichen Tugend, der „tätigen Seele“. Aristoteles: „Verstandestugenden sind Weisheit, Verstand und Klugheit, sittliche Tugenden Freigebigkeit und Mäßigkeit.“ Demnach soll sich der Mensch von der Trägheit der Vernunft befreien. Für die von Leidenschaften und Begierden befreite Seele, werden die verfügbaren Gütermittel nur zum Zweck sein. Die Seele wird nicht in Geiselhaft der materiellen Güter sein, sondern in der Leidenschaftslosigkeit die Ruhe erst erleben. Aus Lust auf mehr, wird Lust auf Lebenserfüllung. Die Enthaltsamkeit wird erst den Horizont für weitere seelische und geistige Errungenschaften ermöglichen und die Mäßigung wird die Gier, den Neid und die Völlerei eindämmen.

Lit.: Aristoteles, Nikomachische Ethik, Aristoteles Media, Erstes Buch, Kapitel 1-13