katholische Soziallehre

GREIF MEINE WÜRDE NICHT AN!

(Foto Fantur: Buntheit in Einheit)

 

„Der Mensch muss Träger, Schöpfer und das Ziel aller gesellschaftlichen Einrichtungen sein.“ (Mater et Magistra, 219) Das ist das Grundprinzip der katholischen Soziallehre. In der Natur gleicht kein Blatt dem anderen und auch keine Person der anderen. Jeder Mensch ist trotz seiner Fehler einzigartig, ein Individuum (ungeteiltes Wesen) mit Würde ausgestattet, ein Abbild Gottes und zugleich Teil der Gesellschaft. Das würdigt erst eine Person.

 

Der Würde entblößt 

Im Kontrast dazu steht die Entwürdigung des Menschen, wenn er als wertlos behandelt, nicht gewollt und ausgegrenzt wird; zum Beispiel, wenn für Behinderte der Zugang zu öffentlichem Leben unmöglich gemacht und sexuelle Andersartigkeit diskriminiert wird, wenn geschlechtliche Gewalt ausgeübt und dem Kind das Kind-Sein geraubt wird, … . Entwürdigend ist auch der Rassismus, der die Hautfarbe, die Muttersprache und Kultur des anderen von vornherein ablehnt sowie verfolgt. Die Würde bleibt auch auf der Strecke, wenn die Technik und das Wirtschaften zum Selbstzweck werden und nicht mehr in erster Linie dem Menschen dienen. Im Krieg geht jede Personenwürde verloren, wenn der Mensch zum Kriegsmaterial entwürdigt wird.
 

In Würde bewahrt 

Das Personalitätsprinzip der katholischen Soziallehre besagt, dass jede Person, ohne Ausnahme sich selbst entfalten darf, um in Würde das Leben gestalten zu können. Dabei ergänzen sich die persönliche Selbstverwirklichung in Vereinigung mit der Vielfalt. Auf diesem Wege könnte das Gemeinwohl (Bonum Commune) für alle verwirklicht werden. 

WOHL ERGEHEN OHNE ABSTRICHE

(Foto Fantur: Garten der Villa Carlotta in Tremezzina, Como, ITA)

Politisch Verantwortliche heben stets hervor, allein das Wohl der Wähler:innen im Auge behalten zu wollen und sie behaupten nur Diener des Volkes zu sein. Demnach dürfte es keine Kriege mehr geben, Andersdenkende nicht inhaftiert und getötet werden und jeder müsste einen Zugang zu den Grundbedürfnissen des Lebens haben. So müsste der Respekt vor dem Wert des menschlichen Lebens allgemein anerkannt und bei Verletzung verfassungsrechtlich angeprangert werden. Es ist halt leider nicht so, da doch immer wieder Eigeninteressen dem Gemeinwohl übergeordnet werden.
 

Lebenssaft „Gemeinwohl“ 

Ein Grundprinzip der Soziallehre der katholischen Kirche ist das Gemeinwohl (Bonum commune), das gefördert und allen Menschen zugänglich gemacht werden muss (vgl. Gaudium et spes, II. Vatikanisches Konzil, Nr. 26). Das Gemeinwohl ist wie ein Baum, der den Ästen, Zweigen und Blättern Halt, Erhalt und den „Saft“ gibt. Das Bonum commune enthält lebensgrundlegende Bausteine:

 
Da wären die Grundbedürfnisse, wie Recht auf Arbeit, gerechter Lohn, Nahrung, Kleidung, Wohnung, die gedeckt werden müssen. Das wäre die Grundlage für ein Leben und Alltag in Würde. Das Gemeinwohl sei das oberste Ziel des Wirtschaftens. Dem steht in der Realität die Lohn-Ungerechtigkeit, die ungerechte Verteilung der Ressourcen und der Grundnahrungsmittel, die Ausbeutung, … gegenüber.
 

Freiheit mit Verantwortung 

Zum Bonum commune (engl. Commonwealth) gehört auch die Freiheit. Sie ist die Summe aller persönlichen Freiheiten, die in Verantwortung die Freiheit des anderen achten und nicht einschränken. Trotz allem wird dieses Gut eingeschränkt: die Freiheit wird auf Kosten anderer rücksichtslos ausgelebt, der gute Ruf geschädigt, Andersdenkende verfolgt und getötet, Regierende bestellen willfährige Richter, … . Das Allgemeinwohl ist der Garant für die Würde des Menschen!

(Foto Fantur: Lienzer Passage am Hauptplatz)