Aberglaube

SCHWEIN GEHABT

(Foto Fantur: Schweine-Standl vor dem Jahreswechsel)

 

„Schwein gehabt“, sagt man gerne, wenn der Ausgang einer Handlung erfolgreich war. Schweinchen in allen Variationen haben zu Silvester Hochsaison, um sich Glücksbringer für das Neue Jahr erkaufen. Zu diesen abergläubischen Dingen gesellen sich noch ein Hufeisen, ein Fliegenpilz und ein 4-blättriges Kleeblatt dazu. Am Silvester, an dem man sich nur Gutes für das Neue Jahr erhofft, haben normalerweise Unglücksbringer keinen Platz. Für einige sind die Glücksbringer kein Spaß, sondern ein haptischer Hoffnungsschimmer.

Haptische Hoffnungsträger

Der Glaube ist kaum greifbar und man kann sich nur Kraft von oben erbitten, um daraus Hoffnung zu schöpfen. Der Aberglaube und diese Dinge bieten etwas Handfestes, geben einen magischen Touch und man gibt ihnen eine Seele. Dabei versucht man den ausstehenden Leerräumen einen Inhalt zu geben. Glücksbringer werden zu dominanten Lebensbegleitern. Abergläubische Menschen hoffen, dass sie von ihnen nicht enttäuscht werden. Sonst …?

Wendepunkt zwischen Hoffnung und Angst

Der Silvester kann aber auch einen negativen Beigeschmack bekommen, wenn beim Kaffeesudlesen, im dunklen Rest der Tasse, Symbole oder Figuren aufscheinen, aus denen die schlechten Zukunftsprognosen herausgelesen werden. Ähnlich ist es beim Bleigießen, wo über einer Kerze in einem Löffel das Blei gegossen wird und daraus seltsame Figuren entstehen. Die Interpretationen labiler Menschen können Unruhe und Ängste schüren. So wird der Unglücksbringer kein Spaßfaktor mehr, wenn Ängste für das kommende Jahr, wie ein Damoklesschwert, über dem Alltag schweben.

DER ANGST AUSGELIEFERT

(Foto erstellt mit ChatGPT, KI, … wenn die schwarze Katze kommt)

 

 

Eine Wahrsagerin warnte ihren Klienten oftmals vor einem bestimmten Baum. Auf einer Heimfahrt wurde ihm dieser Baum zum Verhängnis. Eine schwarze Katze kreuzt von links die Straße. Ein abergläubischer Mensch gerät in Panik und setzt mit seinem PKW eine folgenschwere Handlung. Ein Schüler schreibt am Freitag, dem 13., keine Schularbeit und bleibt gleich zu Hause.

 

Angstmachende Angst

Von Angst gebeutelt und machtlos ausgeliefert kommt es bei  abergläubischen Personen zu psychosomatischen Automatismen. Die übersteigerte Angst führt dazu, dass die Psyche die Worte z. B. der Wahrsagerin „inhaliert“. Es kommt zu einer Wechselwirkung mit dem Körper. Auf der Heimfahrt reagiert der Körper. Von der Worten der Wahrsagerin vereinnahmt, wurde der Baum dem Autofahrer infolgedessen „auto-matisch“ zum Verhängnis. Der zutiefst abergläubische Mensch, reagiert vor lauter Angst wie ferngesteuert.

 

Glaubensstärkender Glaube

Die Religion weist einen anderen Weg. „Glaube kann Berge versetzen“ (vgl. Mt. 17,20) kann man im Matthäus-Evangelium lesen. Diese Aussage zeigt einen andern psychosomatischen Automatismus auf. Vom Glauben an Gott bestärkt, sammelt der Christ die nötige Kraft, Hoffnung und Resilienz. Von dieser Energie motiviert, versucht der religiöse Mensch – vielleicht auch angstfreier – Handlungen zu setzen, mit Schicksalsschlägen umzugehen und die Zukunft zu meistern.